Der Ozean am Ende der Straße {Rezension}


Cover

„Der Ozean am Ende der Straße“ ist ein Roman von Neil Gaiman und im Eichborn Verlag erschienen.

Es begann alles an einem Ententeich, unterhalb des Bauernhofes am Ende der Straße auf dem Letti Hempstock lebte. Der Teich war nicht besonders groß, aber Letti behauptete es war ein Ozean.

© Karin Fiedler

© Karin Fiedler

„Erinnerungen lauerten hinter jeder Ecke, geradezu verlockend. Hätte mir jemand gesagt, ich wäre wieder sieben Jahre alt, hätte ich ihm vielleicht einen Moment lang geglaubt.
Vielen Dank.“

Der namenlose Erzähler kommt für eine Beerdigungsfeier in seine alte Heimat nach Sussex. Doch noch bevor er sein altes Zuhause besucht, zieht es in zum alten Bauernhof der Hempstocks.
Doch er erinnert sich nicht mal, wo der Teich war. Als er ihn wiederfindet kommen die Erinnerungen langsam hoch.
Erinnerungen an eine unschöne Kindheit, als er 7 Jahre alt war und an ein verstörendes Abenteuer. Doch Letti ist nicht da, sie ist noch immer jenseits des Ozeans.

„Bücher waren sowieso weniger gefährlich als andere Menschen.“

Er war ein stiller Junge. Als er 7 Jahre alt wird lädt er zu seinem Geburtstag ein, doch niemand kommt. Aber er flüchtet sich sowieso lieber in die Welt der Bücher.
Als er sich eines Tages seinen Comic aus dem Auto des Vaters holen will, ist dieses verschwunden.
Der Opalschürfer, der bei seiner Familie zur Untermiete wohnt, hat sich am Ende der Straße darin das Leben genommen.

Plötzlich tauchen überall Münzen auf, selbst der Junge scheint eines Nachts an einer zu ersticken.
Erwachsene benehmen sich merkwürdig und die Bedrohung ist zum Greifen nah.
Da lernt er die Hempstocks kennen und die Besonderheiten, die diese kleine Familie ausmachen scheinen ihm gar nicht komisch vorzukommen. Mit Letti versucht er sich gegen das Böse zu wehren.

„Wie kannst du in dieser Welt glücklich sein? Du hast ein Loch in deinem Herzen. Und dieser Mangel wird dir den Schlaf rauben, dich Tag und Nacht heimsuchen, bis du zum letzten Mal die Augen schließt und selbst dann wirst du mit einem Loch in dir sterben, und du wirst schreien und fluchen, weil du dein Leben vergeudet hast.“
(S. 187)

© Karin Fiedler

© Karin Fiedler

Neil Gaiman versteht es sehr gut, das anfangs trostlose Leben des kleinen Jungen darzustellen. Die Emotionen werden lebensnah beschrieben. Dies erreicht der Autor nicht mit bloßen Gefühlsbeschreibungen, sondern dadurch, dass er die körperlichen Symptome beschreibt.

Als Leser habe ich aber keinerlei Mitleid empfunden, sondern eher verstanden. Die realen, zunehmend grausamen Schilderungen kommen einem bekannt vor. In irgendeiner Weise haben wir sie auch selbst durchlebt, sei es auch nur als stille Beobachter.

Der Autor versteht es, Realistisches mit Fantastischem so gut zu verweben, das wir den Ozean am Ende der Straße zu keiner Zeit anzweifeln.

Die Erlebnisse des Jungen stehen für Freundschaft, dem Alleinsein, Angst und Mut, aber auch Betrug, Macht und Selbstmord. All das wird teils mit fantastischen Elementen zu einer Geschichte verwoben. Es wird nichts ausgelassen, der Leser nicht verschont.

„Das ist das Problem mit lebendigen Dingen. Sie sind nicht von Dauer. Heute ein Kätzchen, morgen eine alte Katze. Und dann nur noch eine Erinnerung. Und die Erinnerungen verblassen, gehen ineinander über und verlieren sich….“

Fazit:

Was uns besonders verletzt hat, das dürfen wir auch vergessen. Aus unserer Erinnerung herausschneiden und nur hervorholen, wenn wir uns auch ohne Schmerz daran erinnern können.

Gaiman lässt viel Raum für eigene Gedanken, die man bei dieser, teils schwermütigen Erzählung, jeweils ganz anders interpretieren wird. Wer sich in die Geschichte fallen lassen kann, ganz frei von vorgeschriebenen Gefühlen, wird mit diesem Buch eine ganz eigene Reise in die Kindheit antreten.

Habt ihr das Buch auch gelesen?
Interessiert es euch?
Dann hinterlasst mir doch bitte einen Kommentar 🙂

chaos

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