In 365 Tagen um meine (Buch) Welt #27 Remember You


Meine Welt

Tag 27 steht ganz unter dem Thema „Remember You“

Ein Buch das ich ganz oft empfehle!!!

Der Fliegenfänger – Willy Russell

Der Fliegenfaenger

Der Fliegenfaenger

Vom Helden zum abgestempelten Perversling, in nur einem Tag.

Ein Loser ist man nicht, zum Loser wird man gemacht!

Raymund ist nicht anders als andere Jungs in seinem Alter. Er ist 11, als er am Kanal das harmlose Spiel „Fliegenfangen“ erfindet. Das hat keinesfalls mit dem Angeln kleiner Fische zu tun. Die fünfzehn Jungs, die es in den Schulpausen an den verbotenen Kanal verschlägt, fangen die Fliegen auf eine etwas skurrile – dennoch harmlose Art und Weise.  Einer der Jungen wird von einer Wespe in seine Männlichkeit gestochen und fällt in den Kanal. Raymund rettet seinen Freund und fischt ihn aus dem Kanal und wird trotz des Verbotes als Held gefeiert. Aber nur bis der Direktor davon erfährt und aus diesem harmlosen Spiel eine riesen Perversion macht.

Der 19jährige Ich-Erzähler Raymund, erzählt in diesem Roman seine Lebensgeschichte in Form von längeren Briefen an sein Idol Morrissey. Er ist auf dem Weg nach Grimsby und soll dort auf dem Bau arbeiten. Wir erfahren aus kurzen Passagen wie sich das Leben mit elf plötzlich änderte und warum er so verbittert ist. Selbst in den traurigsten Passagen bringt uns der Autor zum Schmunzeln. Und mir drängt sich der Eindruck auf, das der Autor Willy Russel hier mit der Mentalität des Lynch-Mobs abrechnet. Eine Zivilisation, die voller Hass auf alles reagiert was nicht der Norm entspricht. Dieser Mob nämlich hat Raymund zu dem gemacht was er ist, ein Außenseiter der keinen Platz in diesem angepassten Leben mehr findet. Ohne zu hinterfragen, warum manche Dinge so verkehrt laufen. Warum er zum Beispiel in der Kunsttherapie nur mit schwarzer Farbe malt.

Ich habe bei mir gemerkt, dass ich schon nach dem zweiten Schicksalsschlag nichts mehr auf das gab, was erzählt wurde und Raymund nicht mehr in die Schublade des schwer Erziehbaren steckte. Vielmehr dachte ich, was läuft den nun schon wieder verkehrt und so traurig es auch jedes Mal ist, muss man einfach dasitzen und fast anfangen laut zu lachen. Und dann denkt man „das kann doch nicht sein“, doch genauso ist es. Der Mensch packt eben gerne andere in Schubladen und gibt Schuldzuweisungen.

Mich hat dieses über 500 Seiten starke Buch gefangen genommen und sehr gefesselt – verrückt – herzzerreißend – außergewöhnlich.
Eine Unabhängigkeitserklärung!

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2 Kommentare zu “In 365 Tagen um meine (Buch) Welt #27 Remember You

  1. Hallo Karin,

    Das Buch hört sich sehr interessant an. Ich habe es gleich mal auf meine „Flohmarkt-Wunschliste“ gesetzt. Da es ja schon etwas älter ist, habe ich ja vielleicht Glück 😉 .

    Liebe Grüße Carmen

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