In 365 Tagen um meine (Buch) Welt #14


Meine Welt

Tag 14 steht ganz unter dem Thema „Winterbücher“

Es soll ja wieder richtig kalt werden, deshalb habe ich euch mal ein paar richtig tolle Bücher rausgesucht die im Winter spielen.

Winter in Main von Gerard Donovan

Julius lebt nach dem Tod seines Vaters allein in einer Hütte, mitten im Wald in Maine. Das Alleinsein macht ihm nichts aus, das Stillsein hat er von seinem Vater gelernt.
„Maine, der weiße Stern, der ab November leuchtet, herrscht über einen kalten Winkel des Himmels. Hier können nur kurze Sätze und lange Gedanken überleben: Wer nicht aus nördlichem Holz geschnitzt und langes Alleinsein gewohnt ist, sollte im Winter nicht hier sein.Die Entfernungen werden riesig, die Zeit wird über den Haufen geworfen“

Der Autor Gerard Donovan schafft es, mich die Kälte des Schnees spüren zu lassen. Die Sätze wehen mir um die Ohren. Mein Herz schlägt mit jeder Seite schneller und schnell sympathisiere ich mit Julius, werde zum Mittäter.
Ich halte inne – überlege was der Autor mit mir macht, was er in mir bewegen wollte. Was sein Ziel ist.
Ein Buch bei dem ich mir gerne noch ein paar Seiten mehr gewünscht hätte, ein Vergnügen das nur Rund 3 Stunden anhält, aber viel länger nachwirkt.

Ein bitterkalter Nachmittag von Gerard Donovan

Irgendein Nachmittag, in einem fiktiven Dorf, irgendwo im winterlichen Europa.
Der Bäcker eines fiktiven Dorfes wird von Soldaten abgeholt. An einem bitterkalten Nachmittag steht er auf einem verschneiten Feld und muss eine Grube ausheben. Es dauert nicht lange und an der Grube erscheint ein Mann im Ledermantel, es ist der Geschichtslehrer des namentlich nicht genannten Dorfes. Während der Lehrer und der Bäcker ins Gespräch kommen, fahren im Hintergrund Lastwagen vor. Von der Ladefläche werden Zivilisten an den Waldrand gebracht. Sie stehen dort und warten, warten darauf dass der Bäcker die Grube ausgehoben hat.

Beklemmend wirkt diese Szenerie, beide belauern einander und taktieren.
Die Geschichte könnte sich in jeder Zeit unserer bisherigen Geschichte abgespielt haben, oder sie wird noch passieren. Der Mensch ist des Menschen schlimmster Feind, so Donovan.
Er wollte kein Buch über den Holocaust schreiben, vielmehr wollte er uns aufzeigen – wozu der Mensch imstande ist, und so stellt sich uns die Frage, wie sich jeder Einzelne verhalten würde, wenn es um das eigene Überleben geht.
Unglaublich wie es Donovan versteht den Leser zu fesseln. Der Roman spielt bis auf ein paar Ausflüge an andere Kriegschauplätze ausschließlich auf diesem Feld. Und dennoch peitscht es uns durch dieses Buch.
Und meinen wir den Ausgang der Geschichte längst zu kennen, so belehrt uns Donovan eines besseren. “Ein bitterkalter Nachmittag” ist das Debüt des 1959 in Wexford (Irland) geborenen Schriftstellers, der mit “Winter in Maine” auch große Erfolge feierte

Kälps Himmelfahrt von Michel Wallner

Ich finde in diesem Roman eine wunderbare Figur, und zwar die des Kälp. Der Protagonist wurde mit sehr viel liebe zum Detail erarbeitet. Psychisch sehr labil, und außerhalb seines Berufes sogar Lebensunfähig. Dennoch ein sehr angesehener Tierarzt. Ich bin wirklich tief beeindruckt von der Beobachtungsgabe des Autors Michael Wallner. Alle Figuren aus diesem Roman stammen aus dem realen Leben.

“Für die kurze Frist zwischen Weihnachten und Neujahr hatte Kälp Schwingen besessen und war himmelwärts geflogen, zurückgeblieben war der Tierarzt.”

Sätze die nachhallen und bedrücken, die genau meinen Lesenerv treffen und sich tief in mich einbrennen. Diesen Autor muss man sich merken. Denn schon “April in Paris” hat mich in helle Aufregung versetzt, der Mann kann mehr als schreiben, er kann berühren. Das Genre ist schwer einzuordnen, vielleicht ein Krimi Noir? Eine Liebesgeschichte? Oder einfach nur eine Erzählung über die Bergwelt in der Abgeschiedenheit des Schwarzwaldes?
Findet es selbst heraus, meine Empfehlung habt ihr!

Das finstere Tal von Thomas Willmann

Ein Alpendorf, ende das 19. Jahrhunderts.
Ein junger Künstler will den Winter in diesem Bergdorf verbringen. Die Dorfbewohner sind alles andere als begeistert und lassen es den jungen Greider spüren.
Doch nach und nach integriert er sich und fällt nicht mehr auf.

Doch dann passieren mehrere Unfälle.

Der Autor hat eine unglaubliche Ausdruckskraft, man hat das Gefühl zu frieren und in diesem Hochtal des Romans gefangen zu sein. Unglaublich spannend, das Buch fesselt seinen Leser schon auf der ersten Seite und der Spannungsbogen reißt nicht ab.

Zwei alte Frauen von Velma Wallis

Ein wunderbarer Roman über einen Nomadenstamm im hohen Norden von Alaska.
Die zwei alten Frauen werden von ihrem Stamm zurückgelassen, so wie es das Stammesgesetz vorschreibt.
So soll der Stamm gerettet werden und sich nicht mit unnützen “Essern” plagen. Doch es geschieht das unglaubliche, die beiden Frauen geben nicht auf und besinnen sich auf ihre ureigenen Fähigkeiten.

Ein wunderbar sensibel geschriebenes Buch.  Eine berührende und Lebensmut schenkende Geschichte über eine schier auswegslose Situation.

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